Themenbild Sozialtherapie

Jahresbericht 2018 der Sozialtherapeutischen Gemeinschaft Rüttihubelbad (StG)

Was tut sich in unserer Institution puncto Inklusion, Teilhabe und Selbstbestimmung unserer KlientInnen?

Was früher Fremdwörter waren, sind heute gängige Begriffe, die im Alltag verankert sind und immer mehr von der Theorie in die Praxis gelangen.
 
Die Branchenverbände vahs, curavia und insos haben einen Aktionsplan mit 35 Zielen und Massnahmen zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention geschaffen. Dieser unterstützt uns in unserem Anliegen, die KlientInnen am gesellschaftlichen und institutionellen Leben teilhaben zu lassen und mit unserer Unterstützung selbstbestimmt ihren Lebensweg zu gehen.

Zitat Einleitung «Aktionsplan UN-BRK»:

«Die Würde und Wichtigkeit jedes Menschen stehen im Zentrum. Unsere Unterschiedlichkeit verstehen wir als Vielfalt und nicht als Abweichung von einer Norm. Nicht Gleichmacherei aber Chancengleichheit und Gleichberechtigung. Nicht Separation und anschliessende Integration, sondern die Gemeinsamkeit und das Miteinander interessieren uns. Die Erlangung von Teilhabe ist der Schlüssel zur Akzeptanz unserer Persönlichkeit. Teilhabe bedeutet aber auch, Verantwortung für einander zu übernehmen». 

Seit gut einem Jahr gibt es in unserer Institution das «Info 11». Dies ist eine Informationsveranstaltung für begleitete MitarbeiterInnen und BewohnerInnen. Den Namen haben sie selbst gewählt, abgeleitet von der Uhrzeit, an der sie stattfindet: 11.00 Uhr. Die Veranstaltung ist obligatorisch und sehr beliebt. Alle werden schriftlich eingeladen. Als Institutionsleiterin berichte ich über betriebliche und personelle Neuigkeiten in der Sozialtherapeutischen Gemeinschaft und der ganzen Stiftung Rüttihubelbad.

Auch Gäste sind manchmal dabei, meistens MitarbeiterInnen, welche die Gelegenheit nutzen, über ein Lager oder ein sonstiges Projekt zu informieren. Auch bei den MitarbeiterInnen ist das Gefäss beliebt und wir müssen aufpassen, dass das «Info 11» das Forum der begleiteten Menschen bleibt!

Der wichtigste Teil aber ist derjenige, in dem die BewohnerInnen ihre Anliegen und Vorschläge einbringen können. Gerne stelle ich Ihnen nachfolgend ein paar konkrete Anliegen vor, die wir aufgegriffen und umgesetzt haben. Es sind Zitate aus diversen Protokollen, die in «Leichter Sprache/Angepasster Sprache» verfasst werden. Es gibt Regeln in der «Leichten Sprache», z.B. keine Benutzung von Fremdwörtern, Doppel-Wörter müssen getrennt werden, keine Redewendungen, einfache, knappe Sätze usw.  Wie das tönt?

Auszüge aus diversen Protokollen 2018 vom «Info 11»

  • Kunst-Nachmittag: Am Donnerstag-Nachmittag müssen wir nicht arbeiten. Wir können einen Kunst-Kurs besuchen. Es gibt Eurythmie, Sprache, Bewegung, Malen, Steinhauen und Musik. Die Sprach-Gruppe hat keinen eigenen Raum. Wir müssen immer einen anderen Sitzungs-Raum mieten. Nun haben wir einen eigenen Raum bekommen: Die Bilder-Galerie. Die dürfen wir jeden Donnerstag-Nachmittag benutzen. Sie ist für uns reserviert.
  • Wir machen Mittagspause im Wikartswiler-Saal. Wir machen z’Nüni-Pause in der Kräuter-Werkstatt. Dort hat es keine Wand-Uhren. Wir wissen nicht, wie lange wir Pause machen dürfen. Nun hat es Wand-Uhren. Wir kommen nicht mehr zu spät zur Arbeit.
  • Jeden Morgen treffen wir uns vor der Arbeit zum Morgen-Kreis. Ein Mitarbeiter leitet den Morgen-Kreis. Er erzählt eine kurze Geschichte. Oder er sagt ein Gedicht auf. Dann gibt es Informationen zum Tag. Dann singen wir ein Lied.
    Manchmal ist der Morgen-Kreis zu lang. Manche möchten lieber direkt zur Arbeit.
    Es gibt eine Gruppe von Begleiteten und Mitarbeitern. Die Gruppe bespricht, was man am Morgenkreis besser machen könnte.
    Nun ist es anders geworden. Es gibt nur noch einmal in der Woche einen Beitrag von einem Mitarbeiter. Sonst gibt es nur noch Informationen und ein Lied. Ein Bewohner leitet jetzt manchmal den Morgen-Kreis. Jetzt gefällt es uns besser.
  • Einmal pro Jahr gibt es für uns eine obligatorische Weiterbildung. Obligatorisch heisst, wir müssen teilnehmen. Man fragt uns: Was wollt ihr für ein Thema? Letztes Jahr hatten wir das Thema: «Vom richtigen Wünschen»
    (Anm. Red.: Kommunikation)

Als weitere inklusive Ideen von Institutionsseite wurden aufgegriffen:

  • Organisation eines Ehemaligentreffens von BewohnerInnen und externen begleiteten MitarbeiterInnen. Eine Mitarbeiterin in Ausbildung wird sich dieses Themas – zusammen mit einer Gruppe von BewohnerInnen - annehmen und den «Grossanlass» 2019 organisieren.
  • Ausserdem ist die Idee - abgeguckt bei der Martins-Stiftung am Zürichsee – einer Hauszeitschrift entstanden. Bereits hat sich ein Redaktionsteam aus
    3 Mitarbeitenden und 3 begleiteten MitarbeiterInnen gebildet. Die Hauszeitschrift soll Themen, die sie interessieren, beinhalten. In der ersten Ausgabe im Mai 2019 wird sich alles um das Thema «Freundschaft» drehen. Der Name der Zeitschrift: «Blatt-Salat».

Renate Ritter, Institutionsleiterin
März 2019