Themenbild Sozialtherapie

Jahresbericht 2017 der Sozialtherapeutischen Gemeinschaft Rüttihubelbad (StG)

Wandel, Neuerungen und Altbewährtes in der Sozialtherapeutischen Gemeinschaft Rüttihubelbad.

 

«Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt».

Mahatma Gandhi

 

Das vergangene Jahr war geprägt von Veränderungen und Wandel in unserer Gemeinschaft – im Nachhinein ist es eindrücklich, was uns alles an Herausforderungen, an freudigen und traurigen Ereignissen begegnet ist.

Wohnen

Seit August 2017 läuft im Team der Seniorenwohngruppe ein einjähriges Pilotprojekt. Das Team wird von einer Teamleiterin geführt. Was anderswo als Normalität gilt, ist bei uns ein Sonderfall. Bisher war das Team als Ganzheit für die Leistungen, Abläufe und Prozesse verantwortlich und war dem Ressortleiter direkt unterstellt. Ziel des Projektes ist nun eine direktere Führung des Teams sowie eine Vereinfachung der Entscheidungs- und Kommunikationswege. Die bisherigen Erfahrungen sind durchwegs positiv!

Leitung

Am 21. September verabschiedeten wir mit einem schönen Fest unsere langjährige Institutionsleiterin, Irène Schrepfer, die sich in die Pensionszeit begeben hat. Da wir seit Jahren als Leitungsteam funktionieren, war es uns auch in dieser grossen Veränderung wichtig, in den ganzen Übergangsprozess eingebunden zu sein und nicht einfach den «Posten» neu zu besetzen. Wir taten dies mithilfe eines Coachings mit Martina Wüthrich von human events. Wir überdachten die Strukturen, redeten über unsere Aufgaben, die Herausforderungen und die künftige Ausrichtung des Leitungsteams und meine neue Rolle von der Kollegin zur Vorgesetzten.

Was eindrücklich «hängen geblieben» ist, sind die verschiedenen Arbeitscharaktere, die man in der Geschäftswelt kennt und deren Anteile jeder Mensch mehr oder weniger ausgeprägt in sich trägt:

  • Erkenntnis/Wissen (die intellektuellen DenkerInnen)

  • Beziehung/Miteinander (die sozialen Herzensmenschen)

  • Ordnung/Struktur (die strukturierten Macherinnen

Wir haben festgestellt, dass in unserem Leitungsteam alle Charakterzüge ausgewogen vertreten sind. Das ist nötig, um einen Betrieb in seiner ganzen Mannigfaltigkeit zu führen.

Natürlich kann ein solcher Leitungswechsel mit Verunsicherung bei den Mitarbeitenden verbunden sein. Im vergangenen halben Jahr war es deshalb mein Hauptziel, nahe bei den Menschen zu sein, Sicherheit zu vermitteln, angefangene Projekte zu Ende zu bringen, nötige Veränderungen einzuleiten und ansonsten Ruhe einkehren zu lassen.

Veränderungen um jeden Preis sind nicht nötig, wir haben zu viel, das wunderbar und seit Jahren funktioniert. Dies nicht zuletzt dank einer engagierten und kompetenten Mitarbeiterschaft und den vielen begleiteten Mitarbeitenden und BewohnerInnen, die unser Leben und unsere Arbeit bereichern. Oder - wie es kürzlich ein Mitarbeiter formuliert hat: «Ein Zauber liegt über dem Rüttihubelbad».

Arbeit

Am Tag danach, am 22. September 2017 durften wir schon wieder ein Fest feiern – diesmal die Neueröffnung unserer «Chrämerei». Nach Jahren in der «Versenkung» rückte sie ans Tageslicht und ins Zentrum des Rüttihubelbad. Stolz präsentiert sie sich heute mit all ihren Bio- und Demeterprodukten – z.T. aus Eigenproduktion - in der Eingangshalle, gut sichtbar für Kunden und Mitarbeitende, die - öfter als früher - ihre Einkäufe dort tätigen.

Die Veränderung verlangte uns Einiges ab: längere Öffnungszeiten, ein grösseres Sortiment, mehr Personalbedarf - sie bescherte uns aber auch bessere Umsatzzahlen! Und: es ist uns gelungen, attraktive Arbeitsplätze – nahe am 1. Arbeitsmarkt – für die BewohnerInnen und externen, begleiteten Mitarbeitenden zu schaffen.

Dies war auch der Grund, warum uns die GEF (Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern) bewilligte, die Umbaukosten aus unseren Rückstellungen zu finanzieren. Dazu brauchte es einen Projektbeschrieb und die entsprechende Begründung, dass das Vorhaben zum Nutzen unserer begleiteten Menschen ist.

BewohnerInnen

Am 11.11.2017 mussten wir Abschied nehmen von einem Bewohner, der bei einem tragischen Unfall ums Leben kam. Es ist immer besonders schwer, einen Menschen so unerwartet zu verlieren und die Betroffenheit und der Schock waren gross! Die Kraft jedoch, die man sich in der Gemeinschaft gegenseitig gab, war umso eindrücklicher. Bei verschiedenen Gelegenheiten kam man zusammen und nahm auf unterschiedliche Weise Abschied. Sei’s, indem man eine Kerze anzündete, sei’s dass man sich Anekdoten aus Begegnungen mit dem Verstorbenen erzählte, sei’s, dass man sich im Team austauschte und erzählte, wie es einem ging, sei’s, dass man mit den Bewohnenden zusammen Lampions in die Luft steigen liess……

Wir nahmen uns Zeit zu trauern und in unseren Herzen bleibt der Bewohner unvergessen.

 

April 2018, Renate Ritter, Institutionsleiterin