Welche Synergien entstehen, wenn Standortgemeinde und Stiftung am selben Strick ziehen? Ein Gespräch mit Gemeinderats- und Stiftungsratsmitglied Samuel Feller.
Lieber Herr Feller, Sie sind Vizepräsident des Gemeinderats von Walkringen und seit Kurzem auch Stiftungsratsmitglied der Stiftung Rüttihubelbad. Wie stark sind Sie mit dem Rüttihubelbad verbunden?
Ich kenne den “Rüttihubu” schon seit meiner Schulzeit, als hier in den Achtziger- und Neunzigerjahren der grosse Umbau stattfand. Die Beziehung wurde persönlicher, als mein Bruder Hans vor rund zehn Jahren in der Sozialtherapeutischen Gemeinschaft einen Platz fand. Er arbeitet in der Kräuterwerkstatt und lebt seit gut fünf Jahren in der Wohngruppe im Quellenhaus. Wir sind sehr dankbar, dass er sich hier wohlfühlt.
Welche Bereiche des Rüttihubelbad liegen Ihnen besonders am Herzen?
Am nächsten steht mir wegen meines Bruders die Sozialtherapeutische Gemeinschaft. Gleichzeitig mag ich das breite Angebot: Ich schätze das Sensorium, das einzige Hotel auf dem Gemeindegebiet und die Kulturveranstaltungen im grossen Saal, in dem auch unsere Vereine und Schulklassen auftreten, darunter meine Tochter mit dem Damenturnverein.
Wie charakterisieren Sie die Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Stiftung?
Für die Gemeinde ist das Rüttihubelbad sehr wichtig: als Kulturort, als Arbeitgeber, als sozialer und touristischer Motor. Die Postautolinie zum Rüttihubelbad sichert uns einen guten ÖV-Anschluss. Davon profitiert die ganze Region. Das Alterswohn- und Pflegeheim ist gut unterwegs. Viele Menschen aus Walkringen ziehen im Alter hier ein. Das hilft, zwischen der Gemeinde und der Stiftung Vertrauen aufzubauen. Zudem ist das Rüttihubelbad der grösste Arbeit- und Auftraggeber der Gemeinde: Aktuell verfügt die Stiftung über 148 Vollzeitstellen und bietet rund 30 Walkringer:innen eine Anstellung. Das Rüttihubelbad vergibt in der Region jährlich Aufträge im Wert von rund 300 000 bis 400 000 Franken. Davon leben mehrere lokale Handwerksbetriebe und damit auch wieder Familien, die hier Steuern zahlen. Diese Wertschöpfung sieht man nicht auf den ersten Blick, sie ist aber zentral.
Was würde Walkringen fehlen, wenn es das Rüttihubelbad nicht gäbe?
Uns würde sehr viel fehlen: Arbeitsplätze, kulturelle Anlässe, das Sensorium als Aushängeschild, das Restaurant, die Säle, die ganze Vielfalt. Viele Schweizerinnen und Schweizer kennen Walkringen nur, weil sie schon im Sensorium waren. Das Sensorium trägt den Namen unserer kleinen Gemeinde ins Land hinaus. Darum spreche ich gerne von einem Leuchtturm für die Region. Das Rüttihubelbad strahlt weit über Walkringen hinaus.
Wo nehmen Sie ungenutztes Potenzial in der Zusammenarbeit wahr?
Das grösste Potenzial sehe ich bei den Räumen und der Nutzung durch die Vereine. Wir erarbeiten in der Gemeinde zurzeit ein Vereinskonzept, damit wir die Säle und Infrastruktur im Rüttihubelbad stärker nutzen können. Im Gegenzug bekommt die Stiftung im Walkringer Infoheft eine Plattform. Und wir müssen die eigene Bevölkerung noch mehr „auf den Hubu“ holen. Viele kennen das Rüttihubelbad, nutzen es aber wenig – fast so wie Einheimische, die noch nie auf dem Jungfraujoch waren. Diese Schwelle möchten wir abbauen. Wenn lokale Besucherinnen und Besucher positive Erfahrungen machen, wandelt sich das Bild des Rüttihubelbad nachhaltig.
Was erhoffen Sie sich für die künftige Zusammenarbeit?
Ich wünsche mir, dass wir den Weg, den wir im vergangenen Jahr eingeschlagen haben, konsequent weitergehen: mit mehr Austausch, mehr gemeinsamen Projekten sowie einem stärkeren Bewusstsein dafür, was wir aneinander haben. Als Gemeinderat will ich, dass es den Menschen in Walkringen gut geht und sie viele Möglichkeiten vor Ort zur Verfügung haben – und dabei spielt das Rüttihubelbad eine Schlüsselrolle.
Danke für das Gespräch.
Dieser Artikel erschien im WEITBLICK Nr. 123. Die vollständige Ausgabe können Sie hier herunterladen.


